zur Geschichte: Freizeit – macht was draus – Rückblick auf 20 Jahre Klette -  April 2012
Mit der Wende 1989 endete nicht nur die Existenz eines Landes, es endete auch ein sehr gut organisiertes und aufeinander abgestimmtes Schulsystem. Das stelle ich jetzt nur fest – ohne Wertung was für den Einzelnen schlecht war oder gut. Es passierte meist in kurzer Abfolge, man konnte die Auswirkungen einzelner Beschlüsse oft gar nicht ermessen. Ein Beispiel dafür ist die plötzliche Trennung von Hort und Schule. Plötzlich gehörten die Horterzieher nicht mehr zum Schulkollektiv. Einige Zeit gehörten sie zu Niemandem, dann trat für uns Barther Horterzieher die Stadt zur Übernahme auf. Die Ablösung von der Schule hatte u.a. zur Folge, dass Feste, Arbeitsgemeinschaften oder Freizeitgruppen, die am Nachmittag stattfanden, plötzlich ein Problem waren. Wem obliegt die Verantwortung? Wer ist versicherungspflichtig? Wer organisiert und führt durch? Hieß das jetzt…es gibt kein Wohngebietsfest mehr auf dem Schulhof oder keinen Lampionumzug? Während einige glaubten…. „das wird schon“…. Andere dachten…“mir doch egal, hab ganz andere Sorgen“…., machte sich Gerd Garber als Schulleiter der Liebknecht-Schule auf den Weg. Er suchte nach Ideen, knüpfte Kontakte in die alten Bundesländer, kurbelte und erklärte. Er redete nicht nur, er handelte auch. Natürlich fand er Mitstreiter und die folgten seiner Aussage: „Nichts muss ausfallen, aber wir brauchen einen Schulverein. Der Verein kann Träger aller außerschulischen Angebote sein.“ Im November 1991 trafen sich 21 Eltern und Lehrer und beschlossen die Vereinsgründung. Seit dem Februar 1992 ist der „Schulverein der Liebknecht-Schule“ beim Amtsgericht urkundlich angemeldet. Der erste Vorsitzende ist Karl Heinz Fuchs. Die Fortführung der Arbeitsgemeinschaften Klöppeln, Schach, Blockflöte und Gymnastik ist gewährleistet. Sie werden von 42 Kindern besucht und durch die Betreuer in deren Freizeit betreut. In guter alter Tradition wird das Wohngebietsfest auf dem Schulhof ein toller Höhepunkt und auch der Lampionumzug steht nicht mehr in Frage. Schon 1993 kommen weitere Gruppen (Nähen, eine weitere Flötengruppe und Basketball) dazu. Wir alle wissen zu der Zeit wenig über Fördergeld und Möglichkeiten, sind uns aber einig, dass zu viele Kinder auf der Straße herumstehen und einfach nur Angebote fehlen. Als vom Jugendamt eine relativ große Summe bewilligt wird, unterstützen wir die Schule und rüsten den Computerraum mit neuer Technik auf. Folgerichtig können wir kurze Zeit später die Wünsche der Kinder erfüllen und außerschulische Computer – AG`s anbieten. Das Fach Informatik ist noch nicht für alle ein Lehrfach und in nur sehr wenigen Haushalten haben die Eltern Computer. Unser Ziel im Verein war und ist es, Interessen der Kinder zu wecken, Begabungen zu fördern und Angebote für sinnvolle Freizeit zu schaffen. Als meine Hortkinder, die ich 4 Jahre begleitet hatte, die 5. Klasse besuchten, kam es häufig vor, dass sich einige in meine neue Gruppe „verirrten“. Der Hort war schon 1992 von der Liebknecht Schule in die Kindertagesstätte Barth Süd gezogen. Sie suchten einfach einen Ansprechpartner und wollten nur ein bisschen bleiben. Das ging aus rechtlichen Gründen natürlich nicht, aber schlimm war es dann im Dezember. Da standen sie eines Tages wieder traurig und trotzig bei mir: „Frau Szym, keiner macht mit uns `ne Weihnachtsfeier! Können Sie eine mit uns machen?“ Zu der Zeit fühlten sich viele Lehrer nicht mehr, viele Eltern noch nicht für solche Dinge verantwortlich. Was tun?? Die Entscheidung war einfach – natürlich machten wir eine schöne Weihnachtsfeier! Sie endete dann mit der Frage: „Könnten wir uns nicht nächste Woche auch wieder nach dem Hort mit Ihnen treffen? Ach bitte!“ Tja – da stand ich nun. Daraufhin suchte ich das Gespräch mit Frau Hauer, der Leiterin der Kita und Herrn Lanz, dem Bürgermeister und ab Januar trafen wir uns jeden Montag von 16 bis 18 Uhr in meinem Hortbereich – der „Fünfertreff“ war in kurzer Zeit ein fester Termin für viele. Aber in noch kürzerer Zeit fanden es die 7. Klassen gemein, dass sie nicht auch einen Trefftag hatten, so kam der Dienstag dazu. Innerhalb weniger Wochen waren es so viele Kinder, dass ich es allein nicht bewältigen konnte. Ute Christoffer, Evelyne Wessel und Jürgen Schuhmacher gewann ich als Betreuer dazu - sie sind wie ich noch heute Kletten! Andere nette Eltern kamen immer für Zeitabschnitte dazu, Helfer fanden wir immer. Durch die Mithilfe konnten wir die Angebote attraktiv gestalten. Es wurde z.B. genäht, gemalt, gebastelt, gebacken und gekocht, Tischtennis und Nintendo gespielt, gesungen und getanzt und viel miteinander geredet. Es wurden gemeinsam Hausaufgaben gemacht und auch über Lernprobleme konnten wir sprechen. Im Jahr 1996 zog Herr Fuchs mit seiner Familie aus Barth weg und alle grübelten wie es mit dem Schulverein weitergehen soll. Aber G. Garber fand das nicht schwierig. Er lächelte mich an und meinte…“na Du machst das.“ Zu der Zeit verbrachte ich ohnehin schon sehr viel Zeit in den 4 von mir betreuten Gruppen des Vereins und mir fiel kein schlagendes Argument der Ablehnung ein. Also stellte ich mich zur Wahl und nahm sie an. Welcher Idee ich da zugestimmt hatte, kann ich erst heute so recht übersehen. Irgendjemand hat mich in den starken Jahren mal gefragt: „Wieviele Kinder und Jugendliche kommen jede Woche zu Euch- 185??? Was gebt Ihr denen? So viele wohnen in Barth doch gar nicht!“ So ganz genau kann ich das auch nicht erklären, aber eines weiß ich sicher: Kinder spüren sehr genau, wer es ehrlich mit ihnen meint. Ich habe sie nie wie „anwesend“ behandelt. Jeder war mir wichtig. Jeder sollte erkennen, was er kann oder auch erfahren, was er nicht kann. Der persönliche Kontakt mit jedem angemeldeten Kind oder Jugendlichen war mir ein Grundbedürfnis. Ehrlich und manchmal schonungslos offen habe ich mit meinen Mitstreitern dafür gesorgt, dass der Name Schulverein der Liebknecht Schule ein lebendiger Name war. In manchem Jahr konnten wir 11 AG`s anbieten – immer ausgerichtet nach den Interessen der Kinder und Jugendlichen. Inzwischen kamen die Schüler längst aus allen Barther Schulen, hatte sich auch das Bild der Zusammenarbeit verschoben. War die Schule in den Gründungsjahren noch der wichtigste Partner, wurde dies von Jahr zu Jahr weniger. Längst stellten zuverlässige Eltern einen Teil ihrer Freizeit zur Betreuung unserer Kinder zur Verfügung. Inzwischen hatte ich auch gelernt, was ein Sponsor ist, wie man ihn finden kann und wie oft man ihn besuchen muss, bis man die dringend benötigte finanzielle Hilfe bekommt. Unterstützung bekamen wir in allen Jahren von unserer Stadtverwaltung und dem Jugendamt des Landkreises NVP. So war es im Jahr 2000 ein Riesenschritt, als der Bürgermeister Herr Löttge uns den ehemaligen Küchenbereich der Kita zur Nutzung übergab. Monatelang haben wir mit den Kindern Tapeten gekratzt und Möbel organisiert. Kein Sperrmüllhaufen war sicher vor uns, viele Gewerke halfen mit Baumaterial, viele Eltern halfen dann beim Erneuern. Ein schöner Clubbereich war entstanden, der noch heute von uns für die Angebote genutzt wird. Durch die unzähligen Programme, die unsere Kinder und Jugendlichen in Barth und Umgebung auf verschiedensten Bühnen präsentierten, waren wir bald ziemlich gut bekannt und gern gesehen. Es gab wohl keinen kulturellen Anlass, den wir nicht mit bunten Programmen bereicherten. Das war manchmal mehr als schwierig mit meiner Arbeit zu koordinieren, aber irgendwie hat es fast immer geklappt. Einer unserer Leitgrundsätze ist: „Wir schaffen die Bedingungen und zeigen wie es geht – aktiv werden müsst Ihr dann allein. Wir alle investieren unsere Freizeit, damit Ihr Euch wohl fühlt, aber ohne Euer Zutun macht es keinen Sinn!“ Das galt und gilt für alle Bereiche. Ob Blockflöte oder Gitarre, Gesang oder Tanz, Kochen, Backen, Sport, Nähen oder Malen, soziales Miteinander – jeder muss bereit sein, das Vereinsleben zu bereichern und Verantwortung zu tragen. Im Jahr 1999 war es dann Zeit, der Schulvielfalt Rechnung zu tragen. Wir suchten einen neuen Namen und ein Logo. Jedes Vereinsmitglied war aufgerufen, seinen Vorschlag einzureichen. In einer großen Abstimmungsrunde setze sich dann der Name „Die Klette e.V.“ durch. Der Zusatz Schulverein hält sich aber bis heute hartnäckig in manchen Köpfen fest, was wir mit Sicherheit nicht negativ empfinden. Obwohl sich vieles im Verein verändert hat, immer orientiert an der Veränderung der gesellschaftlichen Bedingungen und der Schulstruktur beschreibt der Name Klette uns auch heute noch gut. Kletten prägt ein fester Zusammenhalt. Einmal Klette – immer Klette sagen viele, die noch aus der Gründerzeit dabei sind. Kletten sind anhänglich, aber auch stachlig. Sie können kämpfen und viel leisten. Langeweile ist ein Wort, das Kletten nicht kennen, denn sie haben gelernt aktiv zu sein und Verantwortung zu tragen. Nach besonderen Höhepunkten aus den 20 Jahren zu suchen, ist schwierig. Jeder wird das anders sehen und oft sind scheinbar kleine Dinge so wichtige Schritte in der Entwicklung des Einzelnen oder des Vereines. Vielleicht ist es bedeutsam, dass es uns 20 Jahre lang gelungen ist, attraktive Freizeitgruppen zu organisieren. Man bedenke in den geburtenstarken Jahren kamen jede Woche 185 Kinder und Jugendliche in unsere Freizeitgruppen. Unvergessen sind allen Barthern die Jahre der Mini – Playback – Shows. Man kannte sie aus dem Fernsehen, aber wir hatten sie in großartiger Form auf unseren Bühnen! Bei keinem kulturellen Anlass fehlten unsere Kinder – als Blockflötengruppen, als Gesangssolisten, als Kinderschminkteam als Tänzer und vieles mehr. Da gab es aufregende Erlebnisfahrten in die Partnerstadt Bremervörde, zu den Cheerleadern nach Hamburg, jährliche Musicalbesuche in Hamburg, den jährlichen Besuch der Störtebeker Festspiele, Konzert – und Theaterbesuche in der Barther Boddenbühne, die Besuche im Hansapark Sierksdorf, die regelmäßige Teilnahme an Workshops und Wettbewerben des Tanzverbandes des Landes, die Mitgestaltung der Shows zum Barther Kinderfest, die Produktion von inzwischen 4 CD`s und vieles mehr. Das alles sind nur wenige Mosaiksteinchen aus 20 Jahren. Allerdings zählen wir die Teilnahme am Bundesfinale „Jugend tanzt“ in Paderborn und die inzwischen landesweit bekannten und beliebten CD`s zu den größten Erfolgen. Wichtig und vielleicht erwähnenswert ist auch, dass dieses Riesenpaket Schulverein bzw. Die Klette in allen Jahren ohne feste Angestellte oder geförderte Mitarbeiter gepackt war. Vorstand, Betreuer, Zuhörer, Begleiter, Mutmacher, Personaltrainer, Choreograf, Wegbereiter, Talenteschmiede oder wie man es auch nennen möchte – es war ein Mammutteil meiner bzw. unserer Freizeit. Wenn aber heute längst erwachsene Kletten im Internet Grüße an mich schicken oder auch im persönlichen Gespräch fragen: „Hi Frau Szym, gibt `s die Klette eigentlich noch? Da war ich mal, kennen Sie mich noch?“ Dann denke ich ….. alles war richtig, so haben wir es gewollt! Unsere Kletten sollen Erinnerungen an eine schöne Kindheit in ihrer Heimatstadt für das Leben mitnehmen können. Einmal Klette – immer Klette! Christine Szymkowiak Vorstand (und Klettenmutter)
Die Klette e.V.
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